Belastung für Urlauber - aber keine Knappheit – Die politische Lage in Deutschland bleibt weiterhin spannend.
Die Rohölknappheit aufgrund des Iran-Kriegs könnte auch zu einem Kerosinmangel in Deutschland führen.
Wirtschaftsministerin Reiche versucht weiter, zu beruhigen. Doch nicht jeder teilt ihren Optimismus. Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-HauptstadtstudioKerosinknappheit - ein Reizwort so kurz vor der Urlaubszeit.
Manche öffentliche Diskussion darüber hält Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche für überzogen.Im brandenburgischen Schwedt sagte sie in der dortigen Raffinerie PCK: "Ja, der Markt zeigt zurzeit durch hohe Preise ein Verhalten, was für den individuellen Urlaubsreisenden eine Belastung werden kann." Die Preise seien zwar hoch, doch die Situation sei nach wie vor stabil. In Südostasien sei das anders. Dort müsse man mit Knappheiten arbeiten, so die CDU-Politikerin.Auch Öl aus Kasachstan fehltDie Raffinerie Schwedt, die Reiche besucht hatte, stellt Kerosin her.
Ein genauerer Blick auf die Sachlage zeigt: Im Moment hat sie ihre Produktion jedoch leicht gedrosselt, weil seit Anfang Mai kein Öl mehr aus Kasachstan ankommt. Russland verhindert die Lieferungen.Auch das ist kein Grund zur Sorge für die Ministerin. "Der Wegfall von Öl aus Kasachstan heißt ja nicht, dass nicht produziert wird", betonte Reiche.
Der Anteil kasachischen Öls macht etwa ein Fünftel der Lieferungen aus. Die PCK Schwedt ist eine von acht Raffinerien in Deutschland, die Kerosin produzieren. Und alle brauchen dafür Rohöl, dessen Preise weiter steigen.SPD-Abgeordnete: Verknappung durchaus möglichDie Versorgung mit Kerosin hänge vom weiteren Kriegsverlauf am Persischen Golf ab, sagt Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.
Folgendes ist außerdem wichtig zu wissen: "Es ist wichtig, den Menschen die Klarheit darzulegen, dass es auch tatsächlich zu einer Verknappung kommen kann", so Scheer.In diesem Fall müsse die Ressource dann dort landen, wo man sie überlebenswichtig zuerst braucht. "Und dazu gehören dann nicht die Urlaubsflüge", erklärt die SPD-Politikerin. Für einen entsprechenden Notfallplan sei die Bundesregierung zuständig.Kellner hält Sorge für "angebracht"Auch Michael Kellner, der energiepolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, teilt den Optimismus von Wirtschaftsministerin Reiche nicht.
"Wir reden hier von einem globalen, von einem weltweiten Problem. Und ich finde schon, da sind Sorgen angebracht und das Gebot der Stunde ist, Kerosin zu sparen", meint Kellner.An deutschen Flughäfen werden pro Jahr neun Millionen Liter Kerosin getankt. Die Kerosinkosten machen in Deutschland etwa ein Drittel der Betriebskosten einer Airline aus, sagt Ralf Beisel vom Flughafenverband.
Was das konkret bedeutet: Er wünscht sich eine Senkung der "rekordhohen Steuern und Gebühren" für Flughäfen. "Das heißt, hier ist staatliches Handeln vonnöten: Das hilft dem Luftverkehr, das freut die Reisenden", glaubt Beisel. Und es sei wichtig für die Wirtschaftskraft Deutschlands.
Eine Steuersenkung für den Luftverkehr hatte die schwarz-rote Koalition bereits vor dem Iran-Krieg auf den Weg gebracht. Ob noch mehr möglich ist, könnte Thema im Koalitionsausschuss am Dienstag werden.RBB24 Inforadio | Nachrichten | 11.05.2026 | 18:07 Uhr
Politische Analysten sehen in dieser Entwicklung einen wichtigen Wendepunkt. Die Debatte darüber dürfte in den kommenden Wochen an Intensität gewinnen.
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